Zur Genese eines GemeinschaftsprojektesZur Genese eines Gemeinschaftsprojektes

Wen und was verbindet das Projekt?

„à la JACQUARD“ heißt das einzige Gemeinschaftsprojekt, das im Rahmen von RUHR.2010 nicht nur die beiden traditionsreichen Textilindustriegebiete an Neiße und Ruhr verbindet sondern auch internationale Dimensionen hat. Auf Initiative des Kreisheimatbundes Ennepe-Ruhr präsentieren polnische, tschechische und deutsche Kooperationspartner textilhistorische und zeitgenössische Reflexionen zur Erfindung des mit Lochkarten gesteuerten Webstuhls. Zunächst von den Zünften abgelehnt, später als Teil der industriellen Revolution deklariert, gilt diese Erfindung heute als Vorläufer der Computertechnik. Der Titel des Kunstprojektes spielt mit der französischen Wortwendung „à la carte“ und dem Namen des Erfinders des lochkartengesteuerten Webstuhls Joseph-Marie Jacquard (1752–1834). Der Spiritus Rector des Gesamtprojektes, der Hattinger Kunstprofessor Bernhard Matthes, verband mit seiner Projektidee mehrere Aspekte der Industriekultur. Bedeutung und ästhetischer Wert der Webstühle stehen im Blickfeld ebenso wie gesellschaftliche Wandlungsprozesse – auch wenn sie für die Menschen dieser Regionen mit schmerzhaften Folgen einhergehen. So verknüpft die Ausstellung unkonventionell Kunst und Handwerk, Vergangenheit und Gegenwart und geographisch die Region Ennepe-Ruhr mit den Textilregionen an der Neiße.

 

Wie gestaltet sich also eine Ausstellung, die historische Assoziationen, fragmentarische Verflechtungen und performative Gesten zur Disposition stellen möchte?

Die Konzeption des Projektes geht von zwei geographischen Regionen aus. In Görlitz / Zgorzelec werden vier Themen betrachtet: Textilhistorische Reflexionen, Graphische Verknüpfungen, Künstlerische Positionen und Textilien als technische Artefakte. Bereits die vier historischen Gebäude der Ausstellung in Görlitz / Zgorzelec spannen einerseits einen architekturhistorischen Bogen von der Spätgotik bis zur Gegenwart und spiegeln andererseits die grenzübergreifende Gemeinsamkeit von Inhalt und daraus resultierender Zusammenarbeit. Im Industriemuseum Ennepetal werden sich die in Görlitz aufgegriffenen Facetten der Textilherstellung mit Schwerpunkt Ruhrgebiet spiegeln. Nach dem Start der Ausstellung im Jahr 2008 im Museum der Kreisstadt des Ennepe-Ruhr-Kreises „Haus Martfeld“ kehrt die Ausstellung am 4. September 2010 in das Ruhrgebiet zurück. Dort wird Professor Bernhard Matthes die in Görlitz noch an vier Standorten angesiedelte differenzierte Ausstellung zu einem komplexen und komprimierten Gesamtbild zusammenführen.


Ausstellungvorbereitung im April 2010